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Telegrams abgewürgtes Krypto-Projekt ist plötzlich wieder da


Es war einer der größeren Rückschläge des Jahres 2020 in der Krypto-Industrie: Eigentlich wollten die Telegram-Macher mit TON (Telegram Open Network) und einem eigenen GRAM-Token ins Krypto-Business einsteigen und hatten dafür schon 1,7 Milliarden Dollar bei Investor:innen aufgestellt. Doch dann kam die US-Börsenaufsicht SEC und machte Pavel und Nikolai Durov, den beiden Gründern der Messaging-App einen Strich durch die Rechnung. Sie mussten 18,5 Millionen Dollar Strafe zahlen und die breite Herausgabe des GRAM-Tokens stoppen.

Doch plötzlich ist das Projekt wieder da. Pavel und Nikolai Durov haben es eigenen Angaben zufolge in die Hände einer kleinen Entwickler:innen-Community gelegt, die TON (das steht mittlerweile für „The Open Network“) weiterbetreiben – wie und ob die beiden findigen Web-Unternehmer weiter ihre Finger im Spiel haben, ist unklar. Jedenfalls macht Pavel Durov auf seinem Telegram-Channel mit hunderttausenden Follower:innen plötzlich wieder Stimmung für TON.

Und das merkt man am Kurs des eigentlich in der Versenkung verschwundenen Toncoins. Der schießt in den vergangenen Stunden wieder nach oben und hat die Marktkapitalisierung auf vermutete mehr als zehn Milliarden Euro gehoben. Denn bei FTX, der aufstrebenden Krypto-Börse rund um Gründer Sam Bankman-Fried, bei Gate.io und OKEx, aber auch auf dezentralen Exchanges wie Uniswap und Pancakeswap, wird Toncoin nun wieder gehandelt.

Telegram stellt Blockchain-Projekt und den GRAM-Token komplett ein

„Anderen im Bereich der Blockchain um Jahre voraus“

„Ich bin stolz darauf, dass die von uns entwickelte Technologie am Leben ist und sich weiterentwickelt. Wenn es um Skalierbarkeit und Geschwindigkeit geht, ist TON allem anderen im Bereich der Blockchain immer noch um Jahre voraus. Es wäre eine Schande gewesen, wenn dieses Projekt der Menschheit nicht zugute gekommen wäre“, meint Durov. Und betont, wohl wissend, dass die US-Behörden ihm weiter in Sachen Krypto auf die Finger schauen werden: „Anders als das ursprüngliche TON ist Toncoin unabhängig von Telegram. Aber ich wünsche dem Team denselben Erfolg. In Verbindung mit der richtigen Vermarktungsstrategie haben sie alles, was sie brauchen, um etwas Episches zu schaffen.“

So weit, so gut. Vorangetrieben von zwei Entwickler:innen, die sich im Netz Anatoliy Makosov and EmelyanenkoK nennen, will man es nun immerhin geschafft haben, eine stabile Blockchain am Laufen zu halten. Um neue Validatoren für das Proof-of-Stake-Netzwerk anzuwerben, werden diesen Einkünfte von rund 200 Toncoins pro Tag in Aussicht gestellt – nach aktuellem Kurs wären das derzeit knapp 600 Euro (vorausgesetzt, man würde die Toncoins dann auch irgendwo wieder verkaufen können).

Auf der Roadmap stehen für 2022 schließlich ambitionierte Projekte. Payment-Möglichkeiten, die Einführung von „Extra-Tokens“ (ERC-20-Token von Ethereum lassen schön grüßen), DeFi und eigene TON-Sites (sagt man dazu nicht mittlerweile Web3) sollen nächstes Jahr eingeführt werden. Begleitet wird das von einem Developer-Programm, den irgendwer muss den Aufbau des Ökosystems ja auch programmieren. Aktuell soll rund 40 unabhängige Entwickler:innen in irgendeiner Art und Weise für TON werken.

Telegram geht Richtung Werbegeschäft

Unterm Strich zeigt Toncoin kaum Unterschiede zu den vielen anderen Proof-of-Stake-Netzwerken, die auch allesamt viele Entwickler:innen und Validatoren für ihren jungen Netzwerke gewinnen wollen. Dementsprechend fehlt Toncoin ein echtes Unterscheidungsmerkmal zu Ethereum, Solana, Cardano und wie sie alle heißen. Dementsprechend schwer wird es auch werden, sich im wachsenden Smart-Contracts-Dickicht durchsetzen zu können. Die Power, die Telegram als wichtiger Kanal der Krypto-Community gehabt hätte, fehlt dazu nun.

Währenddessen müssen sich Pavel und Nikolai Durov profaneren Dingen widmen – nämlich endlich einen Weg finden, wie sie mit Telegram Geld verdienen können. Und da wird es trivial. Denn Telegram soll sich künftig auch durch Sponsored Messages finanzieren, die in Channels mit mehr als 1.000 Abonnenten hineingemischt werden. Wahrscheinlich ist das bald ein neuer Weg, um Krypto-Projekte zu bewerben.

Telegram steigt ins Geschäft mit “Sponsored Messages” ein



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