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In sechs Schritten zu 100 Prozent erneuerbare Wärme bis 2035


Trotz aller Anstrengungen, die Energieversorgung auf nachhaltige Energien umzustellen, zeigt der Krieg in der Ukraine, wie abhängig der europäische Energiemarkt von Öl, Kohle und Gas ist. Das soll sich aber nun zukünftig ändern. Im Zentrum dabei: der Ausbau der erneuerbaren Energien. Die dafür notwendige Novelle des „Erneuerbaren Energien Gesetzes“ (EEG) sei inzwischen fertig, bestätigte unteranderem die Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Franziska Brantner (Grüne), Dienstag im Deutschlandfunk. Demnach plane das Ministerium, dass der Strom ab 2035  „nahezu vollständig aus erneuerbaren Energien“ stamme. Die ersten Gesetzesentwürfe für das sogenannte Osterpaktet gingen jetzt in die Ressortabstimmung.

Sofortprogramm für die Wärmewende

Wie allein die Wärmeversorgung durch erneuerbare Energien bis 2035 gesichert werden soll, rechnet nun eine neue Studie des Wuppertal Instituts, die im Auftrag von Greenpeace entstand, vor. Greenpeace-Energieexperte Gerald Neubauer sagte zur AFP: „Die aktuelle Entwicklung führt uns schmerzhaft vor Augen, dass wir nicht nur aus ökologischen Gründen schneller wegmüssen von fossilen Energien, sondern auch aus politischen.“ Momentan werden in Deutschland 25 Prozent der Gebäude mit Öl beheizt, rund 50 Prozent haben eine Gasheizung bei sich zu Hause.

„Die kurzfristigen Alternativen zu Erdgas bei der Beheizung der Gebäude sind zwar begrenzt, mittelfristig sind die Möglichkeiten der Umsteuerung aber groß“, ist Manfred Fischedick, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts, überzeugt. Dabei muss die Energiewende von zwei Seiten angegangen werden: Zum einen müsse die Energieeffizienz der Gebäude gesteigert, zum anderen der Ausbau erneuerbarer Energien ausgebaut werden.

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Inventionen ermöglichen langfristig Einsparungen

Wie das Wuppertal Institut vorrechnet, benötige die Umstellung auf erneuerbare Energien jährlich zusätzliche Investitionen in Höhe von 50 Milliarden Euro sowie 22 Milliarden Euro staatliche Fördergelder. Die Investitionen würden sich langfristig gesehen allerdings auszahlen, ab 2035 könnten damit jährlich über 11 Milliarden Euro an Kosten eingespart werden. Als „Nebeneffekt“ werden eine halbe Million Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert, vor allem in der Bauwirtschaft. 168 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente können pro Jahr eingespart werden.

Wie soll die Umstellung auf erneuerbare Energien konkret aussehen? Das Institut arbeitete ein Sechs-Punkte-Sofortprogramm aus, mit dem der Umstieg erreicht werden soll:

  1. Ausstiegsgesetz für Öl- und Gasheizungen
  2. Förderungsprogramm für zukunftsfähige Wärme
  3. Pflicht zur energetischen Sanierung von ineffizienten Gebäuden
  4. Förderprogramm zur energetischen Sanierung von jährlich drei Prozent aller Gebäude
  5. Erneuerbare-Wärmenetze-Gesetz
  6. Förderprogramm für Erneuerbare-Wärmenetz

Drei Stufen für den Wandel

In drei Stufen sollen bis 2035 Öl- und Gasheizungen in Deutschland der Vergangenheit angehören und durch „grüne“ Wärme ersetzt werden. Als zukunftsfähige Wärmequellen gelten elektrische Wärmepumpen auf Basis von Umgebungs- oder Erdwärme, grüner Strom aus erneuerbaren Energien, grüne Nah- und Fernwärme sowie Solarthermie.

Dieser Schritt soll durch ein Förderprogramm für 12 Millionen neue Wärmepumpen bis 2035 und 70 Millionen Quadratmeter Solarthermie-Anlagen unterstützt werden. Dabei sei eine Förderung von 35 Prozent bei Mehrfamilienhäusern und Nichtwohngebäuden sinnvoll, während bei Ein- und Zweifamilienhäusern die Fördersätze ab ca. 2025 auf typabhängige 10 Prozent bzw. 20 Prozent (für Luft- bzw. Erd-Wärmepumpen) abgesenkt werden können.

Bis 2030 sollen alle Gebäude mit einer Effizienzklasse zwischen E und H die Klasse D erreicht haben, bis 2035 sollen dann alle Gebäude in Deutschland mindestens der Klasse C angehören, bis 2040 soll die Klasse B zum Standard werden. Dabei soll die Bundesförderung für effiziente Gebäude so weit weiterentwickelt werden, dass sich die Sanierungsrate in Deutschland jährlich auf mindestens drei bis vier Prozent steigern kann.

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Ausstieg aus Öl und Gas muss jetzt erfolgen

Die Punkte 5 und 6 betreffen die Umstellung des Wärmenetzes hin zu 100 Prozent erneuerbarer und treibhausgasneutraler Energie. Zudem sollen Nah- und Fernwärmenetze stark ausgebaut werden, pro Jahr sieht das Wuppertal Institut Investitionen von rund 100 Millionen Euro für nötig.

„Fast 700.000 fossile Heizungen wurden in Deutschland im vergangenen Jahr neu eingebaut – für den Klimaschutz ist das fatal“, sagt Neubauer. „Jede weitere Öl- oder Gasheizung macht den Umstieg kostspieliger. Deshalb muss die Bundesregierung die Weichen für eine schnelle Wärmewende noch in diesem Jahr stellen.“



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