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Best of Greenwashing: Offsetting


Die Redaktion bat mich, mein best-of-Greenwashing-Beispiel 2021 zu präsentieren. Da fällt mir einiges ein, aber vieles davon wurde hier bereits besprochen: halbseidene (pun intended) „nachhaltige“ Fast-Fashion-Kollektionen, fossiles Erdgas als „grün“, und – sorry to say – die ökosoziale Steuerreform. Die zwar per se wirklich ein guter Schritt ist, das CO2 aber zu Beginn VIEL zu niedrig bepreist und damit den Sinn wieder verliert. 

Aber der Inbegriff von Greenwashing ist bereits 2020 passiert: Shell, einer der größten Ölkonzerne der Welt und wirklich alles andere als auch nur im Ansatz ein umweltverträgliches Unternehmen, bietet nur fürs Tanken Ausgleichszahlungen an – 1 Cent für jeden Liter. Dieses Geld fließt in Aufforstungsprojekte. 

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3 mal total daneben

Das ist auf so vielen Ebenen so unfassbar daneben, ich versuch mal eine Auflistung: 

  • Ausgleichszahlungen (im Fachjargon „offsetting“ genannt) gibt es schon lang und in vielen Bereichen. Und während manche argumentieren, dass sie in einigen Bereichen sinnvoll sein mögen, um Konsument:innen bei akuter Alternativenlosigkeit etwas anzubieten – zum Beispiel bei langen Flügen aus beruflichen Gründen – entzieht sich mir dieser Sinn beim Tanken von Privatautos komplett. Bewege ich mich am Boden fort, gibt es – vor allem in unseren Breitengraden – viele mobile Alternativen. Beim Zugfahren wird GAR kein Co2 ausgestoßen, übrigens. Offsetting per se wird viel zu oft genutzt, um das Verhalten nicht ändern zu müssen. Man kauft sich das schlechte Gewissen weg.

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  •  Es mal wieder eine Verantwortungsverschiebung des Konzerns de luxe. Shell sagt, hey, wir lassen EUCH mehr fürs Benzin zahlen, und WIR geben EUER Geld in grüne Projekte. Und völlig perfide: Je MEHR Benzin verfahren wird, desto mehr Geld wird gespendet. Lieber Konzern: Steckt bitte euer eigenes Geld zuerst mal in grüne Projekte, und vor allem – überlegt euch, wie ihr euch von einem Ölkonzern in Richtung erneuerbarer Energien entwickeln könnt. Aber so bleibt am Ende nur übrig, dass ihr euer Geschäftsmodell nicht ändert, und eure Kund:innen sogar noch extra dafür zahlen lasst, dass ihr die Umwelt verschmutzt. 

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  • Shell investiert das Geld in Aufforstungsprojekte. Ein paar gesetzte Bäume gleichen aber den Co2-Ausstoß, den Shell produziert, nie und nimmer aus. Es steht in keinem Verhältnis und ist obendrein nicht zielführend – wer an der Ölfront technologisch so weit vorn ist, sollte nicht agieren, als ob nur Bäumepflanzen uns vorm Klimakollaps rettet, sondern genau dieses technologische Know How für echten Klimaschutz einsetzen. Seit den großen Bränden in Kalifornien in diesem Jahr, als auch große Flächen solcher Klimaschutz-Aufforstungsprojekte niederbrannten wie Zunder, sollte klar sein, wie schnell solche Aufforstungen wieder komplett dahin sein können. 

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The Winner is…

Es ist wahr, nur der technologische Fortschritt wird uns nicht vor der Klimakatastrophe bewahren, das wissen wir schon lang – da braucht es auch eine Änderung des Lebensstils und Reduktion im Verbrauch von Energien. Aber ein riesiger Konzern, der dazu beiträgt, dass Autofahrer:innen ihr Verhalten genau NICHT ändern müssen, das dadurch gewonnene Geld in nicht zielführende Projekte steckt und gleichzeitig zu der Industrie der weltweit größten Umweltverschmutzer gehört, und der solche Projekte auch noch als nachhaltig, verantwortungsvoll und grün verpackt: Das ist Greenwashing, wie es reiner nicht sein könnte. 

Mit dem Best Of des Greenwashings endet heute mit dem Jahr auch meine Kolumne auf Tech & Nature. Ob der Gipfel des Greenwashings heuer bereits erreicht wurde, lässt sich wohl bezweifeln. Besonders euphorisch klingende Aktionen lieber einmal öfter zu hinterfragen, lohnt sich daher allemal.

Und damit: einen guten Rutsch in das neue Jahr und einen großartigen Start für 2022!

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